Im Werk Johannes Lebeks nimmt die Illustration von Textvorlagen einen bedeutenden Platz ein. Illustrieren war für ihn kein dekoratives Bebildern von Texten, sondern vielmehr eine Art bildlicher Kommentar, der Charakter und Stimmung der literarischen Vorlage atmosphärisch verdichtet, ihre Aussagekraft steigert.
Verwirklichen konnte er seine Vorstellungen in den Blockbüchern und Handpressendrucken. Als Blockbücher werden Drucke bezeichnet, bei denen Text und Bild zusammen in einen „Block“ (Druckstock) geschnitten werden. Gebräuchlich sind Blockbücher vor allem im 15. Jahrhundert. Lebek verwendet diese Buchform häufig:

1933.„Elisabethchen. Ein Märchen in Holzschnitten erzählt“ (1937 Silbermedaille der Pariser Weltausstellung).
1936. „Walpurgisnacht“. Holzschnitte zu den Reden eines Bauern.
1943/1986. Zwei Fassungen der Ballade „Childher“ von Friedrich Rückert.
1953. „Lob Gottes und seiner Schöpfung“ und „Magnificat“.
1981 „Hiob“. Zyklus aus sieben Einzelblättern in einer Mappe.

Die Kombination von Handsatz mit den Originaldruckstöcken der Illustrationen wird als Handpressendruck bezeichnet. Die Handpressendrucke sind keine Verlagsproduktionen, sie wurden von Lebek im Eigenverlag und in geringer Auflage herausgebracht, noch bevor sich später eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Verlegern ergab.
Als Satzschrift verwendete Johannes Lebek die von Rudolf Koch entwickelte „Deutsche Schrift“ aus der Schriftgießerei Gebrüder Klingspor in Offenbach.
Zum Drucken benutzte er eine „sehr primitive Handpresse“ oder eine „behelfsmäßig für den Typendruck hergerichtete Steindruckpresse“. Die Auflagenhöhen schwanken zwischen fünf und fünfzig Exemplaren.
Einige dieser Handpressendrucke zählen zu Lebeks bedeutendsten Leistungen als Buchgestalter und Illustrator.

Zu ihnen gehören:

„Die schwarze Spinne”, Erzählung von Jeremias Gotthelf, entstanden 1939, Text gesetzt von Anna Lebek; eine Verlagsausgabe erschien 1946.
„Lied der Trauer”, 1950, Gedicht des ungarischen Autors Arthur Keleti, neu bearbeitet 1967 mit dem Titel ”Klagelied”.
„Das Lied von der Schöpfung” nach dem 103. Psalm in einer Übersetzung von Romano Guardini (Verlagsausgabe 1962 und 1965). In den beiden letztgenannten Holzschnittfolgen greift die Bildsprache weit über die Vorgaben der Texte hinaus und reift zu eigenständiger Formulierung bildnerischer Gedanken. Zum einen werden die schrecklichen Geschehnisse des II. Weltkrieges künstlerisch verarbeitet, zum anderen wird die Freude über die Welt und die Schönheiten der Natur zum Ausdruck gebracht.
Neben diesen Arbeiten zählte Johannes Lebek die Illustrationen zu Gottfried Kellers Novelle „Der Landvogt von Greifensee” (1942) zu seinen gelungendsten Arbeiten. Sie erschienen in der Kurt-Bösch-Presse, 1988. Ebenfalls hoch geschätzt wurden von ihm die Illustrationen zu Christian Dietrich Grabbes Tragödie „Herzog Theodor von Gothland“ (1944). Sie blieben unveröffentlicht.
Neben Schwarz-Weiß-Holzschnitten setzte Johannes Lebek gelegentlich auch Farbholzschnitte für Illustrationen ein, so für Johann Wolfgang von Goethes „Der Zauberlehrling“ (1949), für Eduard Mörikes „Der alte Turmhahn“ (1951) oder „Die Geister am Mummelsee“ (1974).
Nicht unerwähnt sollen Buchwerke bleiben, in denen Texte wie Bilder von Johannes Lebek stammen. Dazu gehört das Märchen „Die Springsteine” (1932), in erster Fassung mit Holzstichen illustriert, neu bearbeitet 1946. Ferner die Holzschnittbücher „Vom Baum, der den Frühling nicht erlebte“ (1934) und „Über Berg und Tal“ (1936). Ebenso seine autobiografischen Bilderzählungen „Häuser der Kindheit“ und „Meine Eltern“, beide 1949 als Handpressendrucke fertiggestellt.

Illustrationen zu literarischen Vorlagen (Auswahl):
Friedrich Griese, Die Wagenburg
Gottfried Keller,
Der Landvogt von Greifensee
Gebrüder Grimm,
Das Märchen vom Fischer und seiner Frau
Christian Dietrich Grabbe,
Herzog Theodor von Gothland
Jeremias Gotthelf,
Uli der Knecht und Uli der Pächter
Johann Wolgang von Goethe,
Der Zauberlehrling
Hans Christian Andersen,
Des Kaisers neue Kleider
Holzschnitte zu Gedichten von Eduard Mörike


Vom Baum, der den Frühling nicht erlebte, 1934